1.BL - Ruhe an der Elbe
Ruhe an der Elbe
Die Elbe ist für viele Deutsche ein prägender Begriff. Einer der großen Flüsse, eine nicht unwichtige Seefahrtsroute. Teilweise ehemalige Grenze zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO. Während letzteres einen sperrlich bewohnten Streifen der Hässlichkeit im Kreis "Amt Neuhaus" hinterließ, ist die Elbe auch für wunderschöne Landschaften im Einzugsgebiet bekannt. Am berühmtesten ist wohl das Elbsandsteingebirge nahe Dresden mit der weltbekannten Basteibrücke.

Weiter nordwärts , nicht unweit der Mündung in die Nordsee findet man die Weltmetropole Hamburg. Größte Nichthauptstadt der EU, Luftfahrtstandort, Welthafen.

In Hamburg jedoch suchte man lange Zeit vergebens nach Ruhe, wenn man über Fußball sprach. Der Hamburger SV wurde in der Öffentlichkeit zu einem Satireverein. Trainerwechsel, Misserfolg und bei FF sogar der Abstieg in Liga 2.
Nachdem auch die Saison 35 in der zweiten Liga mit drei Niederlagen begann, zog der Hamburger SV wie so oft die Reißleine. Viel Geld wurde investiert, um Trainer Mr. Brightside von Athletic Bilbao loszueisen, dem Verein, von dem wohl niemand dachte, dass der Trainer dort jemals gehen würde.
Doch wenige Tage später stand der Vertrag. Ein Hamburger wird der neue Trainer beim HSV.
Wie so oft fragte man sich, was den Reiz dieses Vereins ausmacht.
In den verbleibenden 31 Spielen konnte sich das Team die Zweitligameisterschaft sichern und zurück in die Bundesliga aufsteigen. In den nächsten Saisons folgten ein DFB-Pokalsieg und mit Platz 4 und 3 jeweils der CL-Qualiplatz. Doch das ist auch schon das Ende der Erfolgsgeschichte. In der CL-Quali verlor der HSV verganene Saison 0:3 und 0:2 gegen Trabzonspor und das zeigte, dass ihnen eindeutig Grenzen gesetzt sind.
In der aktuellen Saison scheint es ein Kampf mit der Europa League zu werden.

Doch Unruhe will in Hamburg einfach nicht mehr aufkommen. Der Stuhl des Trainers wackelt nicht und auch eigeninitiativ wird sich rein gar nicht mit anderen Klubs beschäftigt.
Wird es also jemals eine dritte Rückkehr zu Athletic Bilbao geben?
"Dass man mich immer noch mit Athletic Bilbao in Verbindung bringt, ehrt mich sehr. Es war eine sehr erfolgreiche Zeit dort und die Identifikation mit diesem Verein war der Wahnsinn. Doch muss man auch die Kehrseite beachten. Ein dauerhafter Erfolgsdruck lastete auf einem. In jedem Champions League Bericht wurde man zu den Favoriten gezählt und konnte diese Erwartungen nie erfüllen. Der schnelle Aufstieg mit den drei Meisterschaften in Serie war einfach viel zu steil. Ein zweiter Platz war in der Liga war später schon nahezu ein Misserfolg. Nach außen hin wirkte es eventuell anders, aber der Wechsel nach Hamburg war keinesfalls eine Kurzschlussreaktion, sondern ein wohlbedachter Schritt. Die Bundesliga ist für mich die attraktivste Liga der Welt. Jede Partie ist anders und fast immer spannend. In Spanien war in 80% der Spiele die Frage, ob du 3:0 oder 5:1 gewinnst, in der Bundesliga musst du überhaupt erstmal gucken, wie du Punkte sammelst. Nicht immer ist die erfolgreichste auch die beste Lösung für einen."
In der Europa League steht die Hamburger Truppe im Achtelfinale. Im DFB-Pokal geht es im Viertelfinale gegen Greuther Fürth. Zwar ist der ganz große Fußball in Hamburg aktuell nicht zu Hause, doch eines Tages möchte der Trainer auch nach den bescheidenen Worten von eben wieder dort hin:
"Ja, in die Champions League möchte ich einmal mit dem HSV. Gerne auch öfter, aber wenn es dauert, dann ist es so. Ich habe Zeit."
Gibt es denn noch irgendwelche Teams, für die es sich lohnt, den HSV zu verlassen?
"Nur für meinen Herzensverein Borussia Dortmund würde ich alles stehen und liegen lassen und als Trainer und Fan meiner Borussia so gut wie möglich zur Seite stehen, aber das ist aktuell mehr als unrealistisch, daher braucht man darüber keinen Gedanken zu verlieren"
So ist es auch nicht verwunderswert, dass am heutigen Morgen ein Fax aus Hamburg in die Türen segelte, auf dem mit einem kurzen Statement bekanntgegeben wurde, dass der bis zur Saison 40 laufende Kontrakt des Trainers bis zur Saison 44 verlängert wurde:
Stellungnahme des HSV-Vorstands
Wir haben einen Trainer gesucht, der unseren HSV wieder in ruhiges Gewässer führt. Dass wir 'n Hamburger Jung für diese Aufgabe gewinnen konnte, ist die Optimallösung und im schnelllebigen Fußball von heute ist es an der Zeit dem entgegenzuwirken und das zu schätzen, was man hat. Wir sind froh, dass die Fahrtrichtung beibehalten wird und hoffentlich weiterhin Ruhe an der Elbe herrscht.


