Die Dominanz der Clubs aus Istanbul ist vorbei
Wir trafen mam94, den Trainer von Manisaspor (14. der Vorsaison) zu einem Interview. Er sprach dabei über die schwierige Situation zum Ende der letzten Saison, als er das verunsicherte Team übernahm und knapp die Klasse hielt, und wagt auch schon einen Ausblick auf die neue Saison.
Mam94, haben Sie sich inzwischen in Manisa eingelebt? Jetzt sind sie ja schon ein paar Wochen dort.
Manisa ist eine tolle Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Hier im Westen der Türkei ist immer tolles Wetter und ich finde hier ideale Bedingungen für Trainingseinheiten vor. Dazu habe ich ein schönes Haus direkt am Trainingszentrum von meinem Vorgänger übernommen.
Blicken wir zurück auf die letzte Saison: Sie kamen 9 Spiele vor Schluss, als ihr Team auf Platz 17 und damit auf einem Abstiegsplatz stand. Nach den ersten 5 Spielen hatten sie nur verloren, wenn auch gegen 3 Spitzenteams und immer recht knapp. Wir hatten nicht gedacht, dass sie doch noch bleiben durften.
Sie sprechen es an, die Situation wurde nach den 5 Niederlagen nicht gerade besser. Aber gerade das 0:1 gegen den späteren Meister Sivaspor und das 2:3 gegen Vize-Meister Trabzonspor haben gezeigt, dass wir mehr können als zu verlieren. Nach dem ersten Sieg gegen Bucaspor und dem späteren Erfolg gegen Kasimpasa war der Klassenerhalt aber doch noch geschafft, auch wenn die Bilanz mit nur 2 Siegen aus 9 Spielen dürftig ausfiel.
Was war denn das Problem zu Beginn ihrer Amtszeit? War das Team so verunsichert oder war es das falsche System?
Im Abstiegskampf kommt alles zusammen. Das Team hatte enorme Angst, immer tiefer abzurutschen und da macht man Fehler. Wir haben spielerisch aber vom ersten Tag an überzeugt und ich habe von mehreren Gegnern gehört, dass sie einen so guten Auftritt nicht erwartet hatten. Am Ende waren wir dann taktisch variabler und physisch stärker, sodass wir ja am Ende doch 14. wurden.
Was für ein Potential steckt in der Mannschaft?
Wir haben in der Offensive eine unglaubliche Klasse. Wenn Iwanski, Makukula und Manucho aufdrehen, können wir vorne immer ein Tor erzielen. Unser Ziel muss sein, in der Defensive konzentrierter zu arbeiten.
Wie stark ist die türkische Liga denn wirklich? Man hört immer wieder, dass sie mehr die „Resterampe“ für Altstars der Topligen ist.
Ich sehe das etwas anders. Die Jugendarbeit der Vereine wird immer besser und die Dominanz der großen Clubs aus Istanbul ist auch vorbei. Die Liga ist aber für Zuschauer und Trainer noch nicht auf Augenhöhe mit den großen Ligen, da Wettskandale etc. immer noch in den Köpfen stecken.
Der Aussage entnehme ich, dass Sie aber nicht unbedingt auf ewig in Manisa bleiben wollen.
Das haben Sie gesagt. Ich bin zufrieden, würde aber sicher gerne auch mal in einer anderen Liga arbeiten. Deutschland und gerade ein spannendes Projekt wie Hoffenheim oder jetzt der Sensationsaufsteiger Aue wären absolut interessant. Alternativ würde ich aber auch gerne mit Bronko3112 in einer Liga sein, da ich in gut kenne.
Sie haben jetzt ihr erstes Spiel gespielt, 0:2 gegen Vize-Meister Trabzonspor. Ein guter Auftritt, der wieder nicht belohnt wurde?
Ja, das kann man so sagen. Wie gesagt müssen wir in engen Situationen defensiv konzentrierter sein.
Wer ist dieses Jahr Favorit auf den Titel und wo landet Manisaspor?
Auf diese Frage habe ich natürlich gewartet. Vorne gibt es einige gute Teams. Sivaspor und Trabzonspor sind weiterhin unglaublich stark, aber auch Antalyaspor und Fenerbahçe sind jetzt in der Lage, Meister zu werden. Wir haben für uns einen 3-Jahres-Plan aufgestellt. Dieses Jahr geht es darum, sich zu etablieren, sprich ein Platz im Mittelfeld, um in der darauffolgenden Saison oben reinzupieksen. Im 3. Jahr soll ein europäischer Platz das Ziel sein.
Danke für das Interview.

