YB Bern verpflichten Lachrizz
Trainer Lachrizz entwickelt sich so langsam zum Wandervogel auf der Suche nach einer neuen Heimat. Früher noch bekannt als langjähriger Lazio Rom-Trainer, ist er mittlerweile über Stationen wie Galatasaray, Fenerbahce, Marseille und Betis Sevilla in der beschaulichen Schweiz gelandet. Die Young Boys Bern sind sein neuer „Topclub“ und von ehemals 4,5 hat er mittlerweile auf ein 3,5-Sterne-Team gedowngradet. Was im ersten Moment wie ein Absturz aussieht, scheint aber ein durchaus gewiefter Plan zu sein. Hat er doch nach Marseille und Betis, die in ihren Ländern nur Mittelfeldclubs sind, jetzt wieder ein Team, dass zu den Besten des Landes gezählt werden darf.
Herr Lachrizz, viele reagieren mit Unverständnis ob der seltsamen Teamauswahl, die sie seit ihrem Weggang von Lazio Rom immer wieder bei Fighters treffen? Dummheit oder Kalkül?
Nun, ein paar Entscheidungen erscheinen für mich im Nachhinein nicht mehr so richtig, wie sie es damals waren. Ich hatte bei Lazio eine gute Zeit, konnte mich regelmäßig auf Platz 5-8 in der Tabelle positionieren und folgte dann dem Ruf des international noch renommierteren Galatasaray. Das war der größte Fehler, da ich in der Teamtreue auf Platz 3 stand und nur wenige Wochen später Chelsea London frei wurde. Bei Gala hatte ich vom Punkteschnitt her dann eine ähnlich erfolgreiche Zeit wie in Rom und machte dann meinen zweiten Fehler, als ich dort viel zu schnell aufgab und einer Herzensangelegenheit namens Marseille folgte. Ab da ging es bergab.
In Marseille verließ sie ihr Glück. Sie machten eine schwere Phase in Frankreich durch.
Ja, Marseilles große Zeiten waren vorbei und das Spielermaterial dort wechselte fast stündlich. Viele ausgeliehene Spieler, keine Topstars. Eigentlich hätte ich froh sein müssen, da wieder weg zu sein, als ich das Angebot von Gantisa bekam, Fenerbahce als frisch gebackenen Meister zu übernehmen. Aber dort lief es auch nicht wirklich, und die Fans von Galatasaray machten mir das Leben schwer. Als die Gala-Ultras beim Derby dann einen Dönertierkopf in Richtung meiner Bank warfen, war klar, dass ich hier nicht glücklich werden würde und Türkei als Arbeitsstelle für mich für alle Zeiten tabu war. Also ging ich zurück nach Marseille, da ja mein erster Aufenthalt dort noch Platz für Optimismus bereitgehalten hatte…
Nach einer unterirdisch schwachen zweiten Amtsperiode in Marseille ging es dann nach Spanien zu Betis. Ein weiterer Fehler?
Nein, das war definitiv eine gute Entscheidung. Ich übernahm auch hier den Meister von Trainerlegende Engine und durfte mich in der Champions League beweisen. Nachdem das zwei Jahre zuvor mit Fener misslang, konnte ich mit Betis die Gruppenphase überstehen und ins Achtelfinale eindringen und hatte auch eine ganz gute Saison in Spanien. Jedoch ist Spanien bei Fighters so ziemlich das härteste Pflaster. So viele Toptrainer geben dort ihr Stelldichein, so dass man selbst mit einer guten Leistung nur im Mittelfeld landet. Ich wollte aber auf Dauer wieder ums internationale Geschäft mitspielen und daher jetzt die Schweiz.
Hier eine kleine Übersicht, wie sich die zwei Ligen in Blick auf die Punkteschnitte der dort tätigen Trainer aufstellen:

Die Schweizer Superleague zählt zu einer der erfolgreichsten Ligen bei Fighters. Sion, St.Gallen, Basel und auch Bern waren immer wieder groß in CL und EL dabei.
Ja, die Schweizer Clubs sind klein, aber oho. Letztes Jahr war Sion im CL Finale und Bern im Halbfinale. Das zu wiederholen wäre allerdings zu hoch gegriffen. Aber im Europapokal zu überwintern ist auf jeden Fall anvisiert. Durch die tolle Position der Schweiz in der 5-Jahres-Wertung ist es dort zudem um ein Vielfaches einfacher als in Spanien, sich auch nächste Saison international zu qualifizieren. Das kann und muss ich den Fans in und um Bern versprechen, dass das unser Ziel ist.
Die ersten Spiele verliefen zufriedenstellend…
Ein Sieg in Basel und ein weiterer gegen Lausanne sind unter meiner Führung bereits rausgesprungen. Daran wollen wir natürlich anknüpfen. Wir werden sehen, wie weit es für uns in diesem Jahr in der Tabelle nach oben geht. Die Mannschaft macht Spaß. Man muss jetzt einfach nur sehen, dass die Erfolgsspur gehalten wird.
Wie sieht es bei ihrer zweiten Trainerstation, SönderjyskE in Dänemark aus? Wie sind da die weiteren Planungen?
Ich werde SönderjyskE auf mittelfristige Sicht nicht verlassen. Ich werde mich mit diesem Team in der Teamtreueliste nach weit oben orientieren, um in ca einem halben Jahr wieder Richtung absolutes Topteam zu schielen. Je nach Erfolg mit SönderjyskE kann ich mir sogar vorstellen, gute Angebote auszuschlagen und auf das ganz große Los zu warten. Liverpool bleibt nach wie vor ein großer Traum. Wer weiß, vielleicht wird ja irgendwann mal was frei… Ärgerlich allerdings, dass man in Dänemark nun nur noch 26 Spiele hat. Da verliert man Boden auf die anderen in der Treueliste, ohne dass man was dafür kann.
Vielen Dank für das kurze Interview, Herr Lachrizz.


Habe auch mit dem Gedanken gespielt in die Schweiz zu wechseln, aber Marseille war mir dann doch lieber.<br />
Mit den 6 berechtigten Plätzen für Europa sollte da die nächsten 3-4 Saisons der Platz immer sicher sein.
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Viel Erfolg!!!