Reims mit neuem Anlauf
Verpasste EL-Quali erzeugt "Jetzt erst recht"-Gefühl

"Es gibt Tage, da fällt einem die Welt auf den Kopf! Können Sie sich vorstellen, wie meine Jungs geweint haben, als Ihnen im letzten Moment dieser Traum entrissen wurde?" Trainer lachrizz85 war selbst den Tränen nahe, als er diesen tiefen Einblick in die Seelen seiner Spieler gewährte. Was war passiert?
Mitte der Saison: Stade Reims, ein kleiner französischer verschlafener Club, dessen größter Erfolg allein schon das Mitspielen in Frankreichs erster Liga ist/war, entlässt aus nicht erklärbaren Gründen seinen Trainer. Die Mannschaft steht bis dato völlig überraschend auf einem EL-Platz, dicht verfolgt von Größen wie Olympique Lyon oder Girondins Bordeaux. Sie beschließen, einen unkonventionellen Schritt zu machen und einen Trainer aus dem Nachbarland Deutschland zu holen. Lachrizz85 übernimmt für die restlichen 21 Spiele. Schnell wird klar, dass die Harmonie zwischen dem neuen Trainer und der Mannschaft stimmt. Mit einer italienisch angehauchten Taktik und schnellen Kontern holen sie so manchen Überraschungssieg ( z.B. 2:1 gegen Lorient, trainiert von DerPostla) und weitere nicht eingeplante Punkte (1:1 gg Lyon, 0:0 gg Lille). Vor dem Saisonendspurt kristallisiert sich ein erbitterter Kampf um die letzten EL-Plätze zwischen Nizza, Lyon, Bordeaux, Toulouse und eben Reims heraus.
Das Ziel vor Augen und dann der Schlag ins Gesicht
Drei Spiele hat Reims noch, gegen Schlusslicht Brest und zwei direkte Duelle gegen Bordeaux. Brest mit zuvor 6 Punkten aus der gesamten Saison hatte dummerweise seinen Trainer gewechselt. Auch der neue Trainer hatte letztendlich nicht die überragendste Bilanz, aber dennoch reicht es, um in Reims ein 1:1 zu ergaunern! Die Hochrechnung von Reims besten Mathematikern besagt: Ein Sieg in den beiden Duellen gegen Bordeaux ist nun Pflicht, 4 oder 6 Punkte gar wäre wohl die EL-Quali. 0:2 und 3:1 heißen letztendlich die Ergebnisse und es ist weiter Zittern angesagt, da andere Spiele durch Massenschlägereien der Zuschauer (ja, Frankreich ist ein hartes Pflaster) am grünen Tisch entschieden werden mussten.
Bis zuletzt ist man mit dem befreundeten Trainer aus Nizza in Kontakt, da beide in der gleichen Situation sind und nur darauf warten, wie die offenen Spiele von Bordeaux, Lyon und Toulouse gewertet werden. Der französische Verband entscheidet letztendlich für die großen Namen und gegen die Überraschungsteams. Lyon und Toulouse rutschen auf die internationalen Plätze, Reims muss punktgleich mit Toulouse die bittere Erkenntnis entgegennehmen, dass genau 1 Punkt fehlt (Brest sei Dank).
Neue Saison - neues Glück
"Ihr könnt euch sicher sein, dass wir jetzt richtig die Sau rauslassen!" Die Worte des Trainers erzeugen möglicherweise Unwohlsein bei den anderen Teams. Jetzt erst recht lautet die Devise des Fußballzwergs aus dem Nordosten Frankreichs. Mit einem beachtlichen 4:0 gegen Sochaux beginnt man die neue Saison, es folgen bittere Rückschläge gegen Meisterschaftsanwärter Lille und Lorient, ehe man mit einem 2:0 gegen Nancy den zweiten Saisonsieg einfährt. Die Erfolgsstory in Reims scheint ungebrochen, und die Frage nach den Saisonzielen wird von Trainer lachrizz85 aggressiv beantwortet: "Wir wollen einen Punkt mehr holen als letzte Saison, also 56 Punkte. Das sollte dann für Europa reichen! Haben mir zumindest Reims beste Mathematiker gesagt!"
6 haben sie schon, bleiben noch 50 weitere. Wir werden sehen, was passiert....

